Ich kann mich da an eine Szene erinnern, welche vor einiger Zeit im Deutschunterricht stattfand. Der genaue Hergang ist mir nicht mehr Präsent, aber es fiel der Satz meiner Deutschlehrerin: “Wenn die Inspiration kommt, dann fangen Sie gleich an zu schreiben.”.

Gesagt, getan und so beginne ich jetzt, geschätzte 10 Jahre später…

Es fällt mir schwer einzuordnen was Inspiration denn genau sei. Aber es scheint mir, als müsste sie wesentlich mit der Stimmung, der Umgebung, dem Wetter, und der Uhrzeit zusammenhängen. Jedenfalls, ist die Szene die mich in diesem Moment umgibt geprägt von  einer gemütlichen Stimmung. Es fällt seichter Schnee auf eine friedliche Landschaft, welche sich dort draußen, mitten in der Nacht, vor dem Fenster abspielt… es ist Zwei-Uhr-und-Vierundfünfzig, die Musik gefällt.

Vielleicht also ist es eben diese Art von Erlebnis, die einem Inspiration verschafft. Vielleicht aber ist es eben auch nur eine Art Erlebnis von vielen, die jede für sich, gleich einer Muse, die Menschen seit je her Inspirierte. Das legt den Gedanken nahe, mit der Inspiration verhalte es sich in etwa so, dass sie einem beliebigen Gefüge aus Umgebung, Stimmung, dem Wetter, der Uhrzeit, dem Licht, und man möge an dieser Stelle ergänzen was auch immer einem einfalle, entspringt. Kurz: Inspiration sei das Ergebnis des Zusammenwirkens beliebiger Faktoren. Damit ist natürlich nicht viel über Inspiration gesagt, aber mir gefällt der Gedanke, dass sie in ihrem Wesen, eben die Leute zu inspirieren, stets gleich, ihr Ergebnis als auch das Gefüge dem sie entspringt dagegen beliebig sei. Diese Überlegung eröffnet eine Welt, in der es also Dinge gibt, dessen Wesen immer gleich, ihr Innenleben dagegen durchaus verschieden gestaltet sein kann.

Und wenn wir ehrlich sind, dann gibt es solche Dinge in der uns bekannten, gemeinsamen Welt. Ganz alltägliche Dinge, wie zum Beispiel ein Rubik’s cube. Der lässt sich auf unzählige Art und Weisen lösen und wieder verdrehen, dennoch bleibt die Lösung stets dieser unscheinbare sechsseitige Würfel mit je einer Farbe pro Seite. Oder aber Lego, welches aus  einem Haufen vieler gleicher Steinen neue, komplizierte, schöne, verträumte Welten zu schaffen vermag. Oder Wasser, welches aus vielen Tröpfchen ganze Ozeane kreiert, welches getrunken und in welchem geschwommen werden kann. Stets bleibt es dabei Wasser. Es finden sich viele solcher Dinge in der Welt, die auf verschiedenste Ausdrucksweisen denselben Gehalt geben. Schließlich verhält es sich ganz ähnlich mit der Inspiration, die, ich erinnere mich, durch unterschiedlichste Szenen ausgelöst dennoch ihrem Wesen nach Inspiration bleibt. Eigentlich, könnte man nun sagen, findet sich hinter jedem dieser Dinge dasselbe Gefüge, dieselbe Struktur. Eigentlich, müsste dies doch das Gefüge der Welt an sich sein, eine Welt in der jedes und alles Ausdruck des einen und Selben ist. Was spricht dagegen?

Nun, wir werden natürlich niemals fertig, wenn wir einmal angefangen haben alle Dinge zu zählen, die auf je ihre Weise das Wesen der Welt an sich wiederspiegeln. Außerdem:  Es würde schon genügen nur eines zu finden, das sich anders verhält und das Kartenhaus zerfällt in sich. Das jeder Einwand durch einen anderen Einwand vereitelt werden kann, das bleibt daher abzuwarten. Eine Zeit-verschlingende Angelegenheit wären beide allemal.Die Zeit ist es also, die das Vorhaben vorzeitig beenden muss. Ein Hoch auf die Wiedergeburt, sie würde das Zählen ins unendliche für uns schließlich erst ermöglichen, vorausgesetzt man könne sich an die vorhergegangenen Leben überhaupt erinnern. Mir jedenfalls fällt es jetzt schon schwer mich an den Anfang dieser Inspiration zu erinnern. Mittlerweile ist es Vier-Uhr-und-Fünfundzwanzig,die Musik ist aus, der Schnee hat aufgehört, die Inspiration hat angefangen zu fallen.

 

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